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Sommer 1973 Jugoslavien / Griechenland (Unsere Hochzeitsreise)
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Sommer 1986 Frankreich

Unsere zweite abenteuerliche Reise Frankreich Sommer 1986

Sommer 1973 Jugoslavien / Griechenland (Unsere Hochzeitsreise)

Die Bilder dieser Reise sind in einer der Zeit entsprechenden Qualität

Schöner Strand/ Halbinsel Pilon Griechenland vor dem Unfall

Nach dem Unfall; zurück auf dem Campingplatz, schnell noch was essen und dann sofort raus aus Griechenland

Endlich Urlaub! Strand in der Nähe von Sibenik Jugoslavien

Venedig, Station auf der Rückreise

Unser Schlafplatz in Wien, die letzte Station unser Hochzeitsreise


In diesem Jahr hatten wir gerade geheiratet und ich leistete meinen Grundwehrdienst ab. Es war sozusagen unsere Hochzeitsreise und außerdem ist es fast genau 30 Jahre her. Da ich in einer Funker-Einheit war, bedurfte es schon einiger Überredungskunst in ein Ostblockland fahren oder nur durchfahren zu dürfen. Das Ziel Griechenland hatten wir damals wegen der geringen Reisekosten gewählt. Unser Auto war ein Mercedes 190D Heckflosse. Diesel kostete in Jugoslavien 0.27 DM und in Griechenland nur 0.29 DM (das waren noch Zeiten!). Unser Ziel war ein Campingplatz in der Nähe von "Volos" auf der Halbinsel "Pilon". Der Einfachheit halber sind wir durch Jugoslavien den Autoput gefahren und haben die Hinreise tatsächlich in zwei Tagen geschafft.

Der Campingplatz war wunderschön. In der untergehenden Sonne konnte man Delphine durch die Brandung schwimmen sehen, ein unvergessenes Erlebnis für den, der das nicht jeden Tag sehen kann. Nach einigenTagen faul in der Sonne rumliegen und die nähere Umgebung erkunden, haben wir uns entschlossen, die etwa 250 Km entfernten Meteora-Klöster zu besichtigen. Genau richtig für so eine Fahrt war das Wetter - leicht bewölkt und ein paar kleine Regenschauer.

Bis zu einem kleinen Ort mit dem Namen Karditza lief die Fahrt wie erwartet. Wir müssen wohl eine Abzweigung übersehen haben, denn plötzlich standen wir mitten in den Bergen, in einem kleinen Dorf namens Metropolis und es ging nicht mehr weiter. Mit Händen und Füßen haben wir dann schließlich erfahren, dass wir in Karditza falsch gefahren sind. Also drehen wir, um den den richtigen Weg suchen. Da plötzlich geschieht das Drama.

Vor uns, ca. 250 m fährt ein Eselskarren mit zwei Leuten besetzt. Da man an der Grenze zu Griechenland schon darauf hingewiesen wurde, das es sich um viel ländliche Gegend handelt und man in solchen Fällen vorsichtig sein muss, habe ich die Geschwindigkeit auf 80 Km/h verringert. Die Straße war schnurgerade und rechts und links nur Felder. Ich habe mehrmals gehupt und dann zum Überholen angesetzt. Als wir bis auf 10 Meter an den Karren heran waren, biegt doch dieser, ohne sich umzudrehen einfach nach links ab .........mit noch fast voller Geschwindikeit mehmen wir das Gespann auf die Hörner...Stille............... Als wir nach einiger Zeit wieder zu uns kommen - wir wissen nicht wieviel Zeit vergangen ist - stellen wir fest, dass eine Menge Leute um unseren Wagen versammelt sind (wir haben vorher weit und breit niemanden gesehen!). Gott sei Dank wir sind nicht verletzt; aber was ist mit den beiden Leuten vom Karren? Wie wir viel später erfahren haben, saßen auf dem Karren ein ca.90 jähriger Mann mit seiner 70 jährigen Schwiegertochter, beide schwerhörig. Die alten Leute waren durch ihre hohe Sitzposition über unseren Wagen geschleudert worden und sind hinter unserem Auto auf der Straße gelandet. Schwer verletzt, aber nicht lebensgefährlich.

Viele Leute redeten auf uns ein. Resultat war, das ich mit einem Bauern die beiden Verletzten, mit so einem motorisierten Dreirad, nach Karditza ins Krankenhaus gefahren bin. Christel ist beim Auto geblieben . Die Verletzten sind im Krankenkaus sofort versorgt worden und mich hat die Polizei in Empfang genommen. Nach einigem Hin und Her fuhr dann die Polizei mit mir zurück zur Unfallstelle und befragt alle noch anwesenden Leute über den Unfallhergang. Unsere Meinung wurde überhaupt nicht verlangt, aber woher die Anderen etwas wußten, blieb uns bis heute verborgen. Unmittelbar vor dem Unfall war wirklich weit und breit kein Mensch zu sehen. Wir fuhren schließlich mit der Polizei auf das Revier nach Karditza und unser Auto wurde in eine Werkstatt geschleppt.

Auf der Polizeistation wurden wir dann umgehend dem Polizeichef vorgestellt und nach weiteren zwei Stunden hatten wir dann unsere erste Vernehmung mit einen eilig herbeigerufenen Dolmetscher. Das war ein sehr freundlicher Arzt, der mal in Deutschland studiert hatte. Nachdem wir dann unsere Version des Unfallhergangs geschildert hatten, waren alle beteiligten Personen sehr freundlich zu uns und der Chef persönlich sagte, dass wir uns in diesem Fall keine Sorgen machen müßten - wir hätten ja keine Schuld.

Aber: Da es sich um einen Unfall mit Personenschaden handelt, müßte eine Verhandlung vor dem hiesigen Gericht stattfinden und bis dahin muss der Fahrer in Gewahrsam genommen werden!....Knast?....ja richtig! Ich fiel natürlich aus allen Wolken.....Knast in Griechenland.... 1972.....Diktatur....nein das wollte ich auf keinen Fall, wer weiß, wo ich da lande. Die folgenden Stunden haben wir damit verbracht, den Polizeichef zu überreden, uns anderweitig unterzubringen....Ich würde auch nicht verschwinden...Wir mußten dann unsere gesamten Papiere abgeben und wurden unter Polizeibewachung in einem Hotel untergebracht.

Was nun folgt, bis zur Verhandlung drei Tage später, war ein einziger Spießrutenlauf. Ein uniformierter Polizist stand ständig vor unserem Hotel und bei jedem Schritt den wir unternommen haben - wir mussten ja irgendwie Essen , denn in unserem Hotel gab es nichts - ist uns der jeweilige Beamte gefolgt. Da sich in Griechenland an lauen Sommerabenden alle Leute auf der Hauptstraße befinden, die Männer im Kaffee, Backgammon spielend und die Frauen und Kinder flanierend auf der Straße, hat bald jeder gewusst, wer wir sind. Wir hatten ständig das Gefühl, dass alle Augen auf uns gerichtet waren. Wer weiß, vielleicht war der Polizist ja auch nur zu unserem Schutz da, dass uns die Meute nicht noch lyncht?...... Ja, solche Gedanken kommen einem dann schon mal.....Abends auf unserem Zimmer lagen wir uns auch schon mal heulend in den Armen.

Diese drei Tage bis zur Verhandlung waren, glaube ich, die Schrecklichsten in unserem Leben und das auf unserer Hochzeitsreise. Die Verhandlung fand in einem altem (sehr altem) Gerichtssaal statt. Der Richter mit Robe und Perücke saß auf seinem Stuhl mindestens 4 Meter über uns( zumindest haben wir es so empfunden und wer den Film "Midnight Express" kennt weis wovon ich rede) und war fast so breit wie er lang bzw. kurz war. Außerdem hat er bestimmt noch nie selber ein Auto gesteuert. Die Verhandlung war ausschließlich in griechisch und der uns unbekannte Dolmetscher hat wenig übersetzt, jedenfalls kaum was für uns. Für den Richter natürlich alles. Ob und in wieweit das alles so richtig war, fällt mir nach wie vor schwer zu glauben. Fazit war: Ich wäre Schuld --Warum auch immer--und müßte jetzt 60 Tage ins Gefängnis oder ca 2000.-DM zahlen. 2000,- ... so viel Geld woher nehmen... Ich konnte es nicht verstehen und bin heulend auf meinen Stuhl zusammengesackt.... In den Knast gehe ich auf keinen Fall ...Aber wie verhindern. Plötzlich höre Ich wie sich der Polizeichef zu Wort meldet. Er verhandelt mit dem Richter und nach kurzer Zeit wird ein neues Urteil gesprochen. 20 Tage Gefängnis oder 600.-DM zahlen. Genau soviel wie wir hatten, abzüglich der Autoreparatur (80.-DM) und der Hotelkosten (30.-DM).Nun sind wir blank bis auf ein paar Pfennig zum telefonieren. Nachdem wir die finanziellen Sachen erledigt hatten, waren wir noch mal beim Polizeichef und haben uns für seinen Einsatz bedankt. Er hat uns noch geraten Griechenland schnell zu verlassen, weil sonst möglicherweise noch eine Zivilklage von der Familie der verletzten Personen droht, und uns dann die Ausreise verweigert wird. Das wollen wir auch nach all dem tun. Schnell noch das Auto abgeholt und ab nach.....wohin auch immer, nur raus aus Griechenland.....

Als wir unser Auto abholen, bekommen wir einen Schreck. Das Auto ist nicht repariert. Wie soll es auch - bei den geringen Reparaturkosten, es ist nur notdürftig geflickt, so das es fährt. Spur verstellt, kein Kühlergrill, Kühler von einem alten Traktor, Stoßstange nur mit Draht befestigt, Scheinwerfer mit Plastikfolie zugeklebt und die Kühlerhaube so mit einem Vorschlaghammer wieder gerichtet, dass man wieder die Straße sehen kann. Na egal, der hat gesagt damit kommt ihr bis nach Haus. Also ein Blick auf die Tanknadel ....gut...damit kommen wir gerade noch bis zum Campingplatz, und das natürlich ganz schön vorsichtig. So etwas soll uns nicht nochmal passieren........ Hat dann auch gereicht bis zum Platz. Der Besitzer hatte sich natürlich schon gewundert und war kurz davor eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Wir haben die Geschichte kurz erzählt, und er hat nur mit dem Kopf geschüttelt. Dann haben wir kurz etwas gegessen, die Zeltheringe aus dem Boden gezogen, alles so wie es war ins Auto geschmissen und ab nach Volos zur Post. Dort haben wir uns von meinen Eltern 250.- DM telegraphisch anweisen lassen. Das Geld war dann auch nach drei Stunden Warten da und ab nach Jugoslavien.

Kurz vor der Grenze drohte dann noch der Auspuff abzufallen, was ich aber an einer Tankstelle mit einer alten COLA Dose (Die war damals noch aus Blech) und zwei Schellen repariert habe. Angekommen in Jugoslavien merke ich, das ich meine Uhr (von meinem ersten Lehrlingsgehalt für 150.-DM gekauft) an der Tankstelle in Griechenland liegenlassen habe. Au ....das tut weh, den Griechen noch eine Uhr schenken. Es wären ja auch nur 50 km zurück......nein, da nicht nochmal hin ....nie wieder im Leben, und die Uhr war mir bei den Gedanken an die Ereignisse jetzt auch egal. Wir wollen jetzt endlich noch ein paar Tage Urlaub machen. Zumindest so lange das Geld reicht.

Gott sei Dank war das Leben in Jugoslavien billig zu dieser Zeit. Wir schlafen die meiste Zeit im Auto. Tagsüber sind wir die ersten fünf Tage immer am Strand, jeden Tag ein anderer und genießen das Leben. Eine Nacht gönnen wir uns sogar ein Zimmer mit Frühstück. Danach noch zwei Tage in Venedig, noch einen Tag am Wörthersee, einen Tag in Wien und dann ab nach Haus. Im Kofferraum ist noch genug Reserve, sodass wir in Deutschland nicht tanken müssen.

Zum Schluss passiert allerdings noch das Unausweichlich. Wir hatten schon gar nicht mehr daran gedacht, weil wir mit unserem desolaten Auto an keiner Grenze Schwierigeiten hatten. Immer nur den Pass vorgelegt in dem der Eintrag vom Unfall war, und schon gings weiter....Überall, nur nicht hier beim Deutschen Zoll. Der Beamte hatte nichts Besseres zu tun, als die Polizei anzurufen, die unser Auto dann ausführlich begutachtete ob seiner Verkehrstauglichkeit. Das Resultat war niederschmetternd. 30 Mängel auf einer offiziellen Mängelliste und eigentlich dürften wir mit diesem Auto keinen Meter weiterfahren! Aber nur eigentlich. Auch hier haben wir es geschafft, angesichts der vielen Kilometer, die wir nach dem Unfall schon zurückgelegt hatten, die Genehmigung zur Weiterfahrt auf direktem Weg nach Hause zu bekommen. Allerdings mußten wir das Fahrzeug spätestens nach 10 Tagen den örtlichen Behörden mit behobenen Mängeln vorführen, was zum Schluß natürlich noch mal richtig Stress bedeutete.

Dieser Urlaubsbericht an unsere Freunde bescherte uns den Namen " Schulenburgs Abenteuerreisen"

Es hat dann übrigens fast 10 Jahre gedauert bis wir uns wieder mal nach Griechenland gewagt haben




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